Mehr Wohlwollen … sich selbst gegenüber

Im Allgemeinen achten die Menschen viel mehr darauf, sich um das Wohl anderer Menschen als um ihr eigenes Wohl zu kümmern. Wie aber soll man sich um sich selbst kümmern, wenn man völlig am Boden liegt?

Sich selbst das gleiche Wohlwollen gönnen, wie Sie es anderen wünschen, ist wesentlich für Ihre Entfaltung. Mehr noch, wer gut zu sich selbst ist, kann auch besser für andere da sein. Um zu einem Zustand des Wohlbefindens zurückzufinden, bieten sich mehrere Möglichkeiten an.

1. Ich höre auf meinen Körper

Ihr Körper ist Ihr Fahrzeug fürs Leben. Sie können ihn wie eine alte Schubkarre behandeln oder ihn wie eine Luxuslimousine hegen und pflegen. Muskelspannungen, Schmerzen, Kribbeln, Zittern usw. sind wertvolle Signale, die Ihr Organismus Ihnen übermittelt. Das sind Warnleuchten, die auf Ihrem inneren Armaturenbrett aufleuchten und Sie auffordern, anzuhalten und sich um die innere Mechanik zu kümmern. Sich diese Zeit zu nehmen, ist ein erster Schritt des Wohlwollens sich selbst gegenüber.

Übung: Setzen Sie sich bequem hin. Werden Sie sich Ihres Körpers bewusst, seines Gewichts, seiner Verbindung zur Erde und seiner Stellung im Raum. Werden Sie sich auch Ihrer Atmung bewusst. Fühlen Sie die Kontaktstellen zwischen Ihrem Körper und der Bodenoberfläche des Ortes, an dem Sie sich befinden. Erkunden Sie jetzt langsam jeden Körperteil, als ob Sie ein Außenstehender seien, der einen Ort zum ersten Mal betritt. Fangen Sie mit den Fußnägeln an und hören Sie beim Kopf auf, indem Sie sich genau bewusst werden, was Sie gerade fühlen: Wärme, Schmerz, Spannung, Kribbeln usw.

2. Ich höre auf meine Gefühle und nehme sie an

Die meisten von uns haben gelernt, sich gegen ihre Gefühle abzuschotten, um gesellschaftsfähig und von der Gesellschaft anerkannt zu werden. Alle Emotionen sind jedoch nützlich. Es gibt weder gute noch schlechte Emotionen. Auch wenn Freude sich angenehmer anfühlt als Wut, so ist Wut dennoch eine großartige Lebensenergie, die ganz einfach nach Veränderung in unserem Umfeld strebt. Je stärker Sie ein Gefühl unterdrücken, umso größer ist die Gefahr, dass das Gefühl sich verstärkt und Sie überwältigt, was in den meisten Fällen entweder zur Explosion oder zur Implosion führt (mehr hierzu in unserem Sonderteil „Emotionen“).

Übung: Jedes Mal, wenn Sie sich in einem angenehmen Zustand befinden, versuchen Sie, herauszufinden, was Sie auf der Gefühlsebene bewegt. Sie können mehrere Gefühle gleichzeitig haben. Denken Sie daran, zunächst erneut an Ihre körperlichen Empfindungen anzuknüpfen, denn diese sind oft eng mit Ihren Gefühlen verbunden. Danach machen Sie den gleichen Test, wenn Sie sich in einem unbehaglichen Zustand befinden.

 3. Ich höre auf meine Bedürfnisse und nehme sie an

Bedürfnisse sind lebenswichtig. Es geht weder um einfache Lust, noch um etwas, das Sie tun oder anpacken möchten, sondern um eine Schwingung, eine lebendige Energie, die in jedem Menschen fließt. Hier einige Beispiele für Bedürfnisse: Anerkennung, Liebe, Schlaf, Ruhe, Verwirklichung, Beitrag (zum Wohlbefinden, zur Entwicklung), Sicherheit, Vertrauen (mehr hierzu in unserem Sonderteil „Bedürfnisse“). Ein unangenehmes Gefühl zeigt Ihnen, dass Sie ein unerfülltes Bedürfnis haben. Ein angenehmes Gefühl ist ein Zeichen für ein erfülltes Bedürfnis.

Übung: Jedes Mal, wenn Sie sich einer bestimmten Situation befinden, ob angenehm oder unangenehm, versuchen Sie nicht nur zu erkennen, was Sie gefühlsmäßig empfinden, sondern versuchen Sie auch, das Bedürfnis oder die Bedürfnisse zu benennen, das oder die Ihr Empfinden leitet oder leiten. Versuchen Sie anschließend entsprechend dem erkannten Gefühl zu handeln, indem Sie Ihre Grenzen und Ihre Erfordernisse annehmen. Zu diesem Zweck denken Sie sich fünf konkrete Maßnahmen für jedes erkannte Bedürfnis aus.

 

Sophie Grosjean – zertifizierte Referentin für gewaltfreie Kommunikation, Mittlerin, Coach und Autorin.