Das Wohlwollen beginnt bei dir selbst

Im Allgemeinen achten die Menschen viel mehr darauf, sich um das Wohl anderer Menschen als um ihr eigenes Wohl zu kümmern. Schlimmer noch: wer für sein eigenes Wohl sorgt, gilt häufig als Egoist oder Individualist … 

Was aber geschieht, wenn Sie Ihre ganze Zeit und Energie für das Wohl Ihrer Mitmenschen aufbringen, sich jedoch niemals um sich selbst kümmern? Am Ende sind Sie völlig ausgelaugt, körperlich und seelisch ausgezehrt. Wenn Sie sich um Ihr eigenes Wohl kümmern, ist das kein Egoismus. Im Gegenteil, indem Sie sich selbst verwöhnen, tun Sie auch anderen Gutes.

Gewiss müssen wir an das Glück der anderen denken, aber es wird zu oft vergessen, dass das Beste, das wir für den anderen tun können, darin besteht, selbst glücklich zu sein (Alain).

Was bedeutet Wohlwollen?

Bei Wikipedia wird Wohlwollen wie folgt definiert: Der Begriff ist als Übersetzung des lateinischen Wortes Benevolentia ins Deutsche eingegangen und beinhaltet Elemente einer gütigen Haltung und der Offenheit gegenüber den Anliegen dessen, dem diese Haltung gilt. Das Wohlwollen ist also die Fähigkeit, möglichst viele Verhaltensweisen und Reaktionen zu akzeptieren, zu übernehmen und für diese gegenüber sich selbst und anderen offen zu bleiben, in sehr schwierigen Situationen, aber auch bei den kleinen alltäglichen Handlungen.

Illustration: Seit dem frühen Morgen auf den Beinen haben Sie sich um die Kinder gekümmert, noch bevor Sie zur Arbeit gefahren sind. Nach dem Arbeitstag haben Sie Ihre Kinder in der Schule abgeholt, den Ältesten zum Sporttraining gebracht und sind mit dem Jüngsten zum Zahnarzt gefahren. Danach haben Sie ihm bei den Hausaufgaben geholfen. Sie brauchen jetzt nur noch das Abendessen vorzubereiten und Ihre Wohnung ein wenig aufzuräumen. Ohne große Motivation und völlig erschöpft nach einem arbeitsreichen Tag sind Sie versucht, ein Fertiggericht aus dem Gefrierfach zu holen. Eine kleine innere Stimme sagt Ihnen dann, dass Sie sich um das Wohl Ihrer Familie zu kümmern haben. Dazu gehört eine tägliche frisch zubereitete Mahlzeit!

Wie ist Ihre übliche Reaktion? Lassen Sie sich von dieser fordernden und urteilenden Stimme leiten, die Sie schrecklich verärgert, Ihnen schlechte Laune bereitet und auf die Nerven geht? Oder hören Sie auf die andere Stimme, die Ihnen sagt, dass Sie heute bereits sehr viel geleistet haben? Könnten Sie sich nicht ein wenig Zeit nehmen und dann entspannt im Kreis Ihrer Familie eine rasch zubereitete Mahlzeit einnehmen? Die Herausforderung besteht darin, sich selbst in jeder Hinsicht als Mensch zu betrachten und sich nicht auf das einengen zu lassen, was man von Ihnen als „Mutter“, „Vater“, „Ehefrau“, „Ehemann“, „Tochter/Sohn“ erwartet, und wo es immer heißt, „als solche/solcher muss ich“ usw. In Wirklichkeit müssen wir uns nur die Erlaubnis erteilen, sich um uns selbst zu kümmern, und uns dabei klarmachen, dass wir auf diese Weise auch zum Wohlergehen unserer Angehörigen beitragen können.

Das Wohlwollen gegenüber sich selbst fördern

Um das Wohlwollen sich selbst gegenüber zu fördern, ist Selbstachtung erforderlich. Sie müssen auf die Signale hören, die Ihr Körper aussendet (Müdigkeit, Angespanntheit usw.) und Ihre Gefühle zulassen, dabei jedoch auf einen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen achten. Andernfalls werden Sie zum Dampfgarer und werden früher oder später explodieren und sich an einem (oft nahestehenden) Menschen auslassen, den keinerlei Schuld an Ihrem Zustand trifft. Um dieses Wohlwollen in Ihren Alltag einzuführen, können Sie:

  •  sich in jeder Hinsicht als Mensch betrachten, statt sich auf eine Rolle oder ein Etikett zu reduzieren;
  •  auf sich selbst (Ihren Körper, Ihre Gefühle und Ihre Bedürfnisse) hören;
  •  sich erlauben, auf sich selbst zu achten und das, was Ihnen lebenswichtig erscheint;
  •  sich annehmen, wie Sie sind, mit Ihren Einschränkungen;
  •  sich als ein wertvoller Mensch betrachten;
  •  mit sich selbst so umgehen, als seien Sie Ihr bester Freund;
  •  Nein sagen, wenn Sie keine Lust haben, ja zu sagen.

Sich selbst gegenüber wohlwollend verhalten, um anderen gegenüber wohlwollend zu sein

Wie könnten Sie ein unliebsames Verhalten anderer akzeptieren, wenn Sie nicht fähig sind, Ihr eigenes Verhalten in jeder Hinsicht anzunehmen? Wie zum Beispiel könnten sie tolerieren, dass Ihr Lebensgefährte/Ihre Lebensgefährtin mit Freunden ausgeht, wenn Sie sich selbst nicht einen einzigen Augenblick der Entspannung gönnen? Wie sollen Sie damit fertig werden, dass Ihr Kind in dem einen oder anderen Schulfach nicht so gut abschneidet, wenn Sie sich selbst niemals eine Schwäche eingestehen? Wie sollen Sie damit zurechtkommen, dass ein Kollege Ihnen einen Wunsch abschlägt, wenn Sie es niemals wagen, Nein zu sagen. Wenn Sie sich selbst in jeder Hinsicht akzeptieren, auf Ihre eigenen Grenzen achten, dann können Sie sich auch besser den Wünschen, Werten und Lebenseinstellungen der Menschen öffnen, die Sie umgeben. 

Mehr Wohlwollen … sich selbst gegenüber !